So, nun sind wir wieder im lauten und stickigen Frankfurt angekommen. Das ist jedes Mal eine riesen Umstellung, so bald wir aus dem Auto aussteigen; von Stille und Vogelgesang zu Verkehrsgeräuschen und Bauarbeiten auf den Bahngleisen nebenan.
Aber nun von Anfang an.
Freitag Morgen um 11:00 Uhr hatten wir den Termin bei der Dame vom Jugendamt. Natürlich waren wir viel zu früh dran und mussten dann noch bis 15 nach 11 Uhr warten, da sie noch ein wichtiges Telefonat zu führen hatte. Cerah war die Nacht zuvor und den ganzen Morgen total aufgeregt, obwohl ich ihr ungefähr 100 Mal versichert habe, dass alles gut gehen wird. Die Dame vom Amt war dann tatsächlich sehr nett und fand uns auch recht sympathisch. Sie wollte mehr über unser beider Lebensgeschichte erfahren, wo, wann und wie wir uns kennengelernt haben. Wie wir entschieden haben, wer schwanger werden will und wer zuhause bleibt. Auf der Hälfte des Gepräches kamen wir auf den Samenspender zu sprechen, den wir ja als anonym angegeben haben, um die Dinge nicht noch komplizierter zu machen. Sie war hocherfreut darüber, dass wir Squishy die Möglichkeit geben wollen, zu erfahren, wer sein Vater ist und ihn auch zu treffen. Denn sie meinte, sie habe in ihrer 30-jährigen Laufbahn in der Adoptionsstelle schon sehr oft erlebt, dass adoptierte Kinder als Erwachsene ihre biologischen Eltern zu finden versuchen, da ihnen einfach etwas fehlt. Das habe nichts damit zu tun, dass sie die Adoptiveltern nicht liebten, es sei einfach wichtig, die Menschen zu treffen, von denen man abstammt. Dann kamen Fragen wie, was schätzen Sie aneinander, welche Werte wollen Sie Ihrem Kind vermitteln, wer kann eher Grenzen ziehen etc.
Am Ende meinte sie sogar, sie sei fast schon neidisch auf unsere Beziehung, die ihr sehr harmonisch erscheint. Das war schon interessant, das von ihr zu hören. Aus ihrer Sicht spricht nichts gegen die Adoption. Sie wird ihren Bericht so schnell wie möglich verfassen und ans Vormundschaftsgericht weiterleiten. Ein kleines Problem gebe es aber, denn da Cerah Ausländerin ist, wurde unser Antrag auf Adoption auch automatisch ans Landesjugendamt weitergeleitet und der/die Sachbearbeiter/in da hat sich gegen die Adoption ausgesprochen, da das Kind überhaupt noch viel zu jung sei, um den Wunsch auf Adoption rechtzufertigen. Das hat uns etwas geschockt, aber unsere Dame vom Amt meinte, sie halte das für schwachsinnig und werde dem widersprechen und wir bekämen vermutlich den Richter, der Adoptionen relativ schnell bearbeitet. Das heißt, wir werden irgendwann demnächst (hoffentlich) eine Einladung vom Gericht bekommen, müssen dort vorstellig werden und dann wird die Adoption beurkundet. Das könnte bereits innerhalb eines Monats passieren oder aber noch 6 Monate dauern. Hoffen wir mal, dass es sich um einen Monat und nicht mehrere handelt.
Damit war dann der Termin vorbei und so wie es aussieht, wird auch niemand vom Jugendamt bei uns zuhause vorbeikommen. Das Gespräch hat etwa eine Stunde gedauert und war zum Glück eher ein entspanntes Plaudern als ein Verhör.
Dann ging es kurz nachhause und gleich anschließend auf die Autobahn, wo so viel los war wie selten zuvor. Lag wohl am Freitag, da wollen alle ins Wochenende. Nach drei Stunden und nur 10 Minuten vor dem nächsten Termin, dem Taufgespräch mit dem Pfarrer, sind wir dann endlich angekommen. Zum Taufgespräch ging ich alleine ohne Cerah und ohne Squishy, da drei Stunden im Autositz und dann nochmal eine Stunde beim Pfarrer doch etwas zu viel gewesen wären. Die Taufe findet am 10. Juni um 11:30 Uhr statt. Als ich ins Pfarramt reinkam dachte ich im ersten Moment nur: Wieso tue ich mir das an? Kann ich das nicht alles wieder abblasen? Ich habe mich so unwohl gefühlt. Lag wohl auch daran, dass ich das letzte Mal vor meiner Kommunion da drinne war und da hat mich das ganze Kirchengedöns schon nicht so richtig begeistert. Ich bin damals mehr als einmal von der Gemeindereferentin angeschnauzt worden, ich solle doch jetzt mitsingen und mich benehmen… Wie auch immer, am Ende war es dann ganz okay und ich habe mich wieder mit dem Gedanken einer Taufe angefreundet. Wir haben beschlossen, dass wir vorher für die Gäste einen Brunch machen und dann ziemlich bald hinterher auch wieder nachhause fahren. Das hat zwar vor uns noch niemand so gemacht, aber mir gefällt die Idee eigentlich recht gut… Mal schauen, wie wir das dann in die Tat umsetzen…
Die Nacht haben wir dann bei meinen Eltern verbracht und am nächsten Morgen mussten wir noch einkaufen (lauter so Babyzeug wie Gläschen, Folgemilch und Babybrei). Squishy durfte auf dem Spielplatz schaukeln, fand er richtig cool und abends gings ins Restaurant, um den Geburtstag meiner Mama zu feiern.
Fortsetzung folgt…