Da ich nun bei verschiedenen Regenbogenfamilien-Webseiten verlinkt bin, möchte ich mich auch mal der Thematik der Co-Mutterschaft widmen.
Allerdings bin ich die Bio-Mama und kann deshalb nur darüber berichten, wie ich die Situation empfinde und über Cerahs Gedanken nur aus zweiter Hand, denn schließlich bin ich nicht Cerah (obwohl ich manchmal das Gefühl habe, ich kann ihre Gedanken lesen).
Das Schwangerwerden hat bei uns beiden hauptsächlich Cerah aktiv gestaltet. Sie hat unseren Samenspender gefunden, hat recherchiert wie die Heiminsemination funktioniert, wie man am besten die fruchtbaren Tage ermittelt, wie die sich die rechtliche Situation (Rechte des biologischen Vaters, Möglichkeiten und Rechte der Co-Mama etc.) darstellt und auch die Suche nach anderen Gleichgesinnten (Blogs von anderen lesbischen Frauen in der selben Situation in den USA, Kanada, Australien). Von unseren Versuchen, schwanger zu werden, haben wir unseren Familien nichts erzählt. Ich glaube nicht, dass irgendjemand erwartet hat, dass wir jemals eine richtige Familie werden würden.
Das Schwangersein hat sich dann auch hauptsächlich zwischen Cerah und mir abgespielt. Ich hätte mir keinen besseren Partner bzw. Partnerin wünschen können. Ich habe jeden Abend eine Bauchmassage bekommen, wurde umsorgt und gehegt und gepflegt. Für jedes neue Wehwehchen hat Cerah ein passendes Heil- bzw. Linderungsmittel gefunden. Im Umgang mit meiner Familie habe ich auch keinen Unterschied zwischen mir und Cerah festgestellt, weiß aber dass Cerah sich teilweise ausgeschlossen gefühlt hat, weil aller Augenmerk auf mir lag und sie als Auch-werdende-Mutter nicht wahrgenommen wurde. Vielleicht geht das auch werdenden Vätern so, da bin ich mir nicht sicher, allerdings denke ich, dass diese von der übrigen Familie wesentlich mehr in die Schwangerschaft miteinbezogen werden.
Das Muttersein hat sich in den fünf Monaten mit Squishy ständig geändert. Die ersten drei Monate waren Cerah und ich gemeinsam zuhause. Und wie ganz kleine Babys so sind, hing er ständig an meiner Brust (auf jeden Fall kam es mir so vor). Cerah kam sich in der Anfangszeit öfter mal wie ein Au-Pair oder ein Dienstmädchen vor, obwohl sie das für mich nie war. Ich brauchte die Zeit, mich zu erholen und so richtig als Mutter habe ich mich da auch nicht gefühlt. Das war alles noch zu neu. Geliebt habe ich unseren Squishy schon bevor er geboren wurde, aber auch ich habe mich zeitweise wieder wie ein Au-Pair gefühlt, denn für mich bedeutet das hauptsächlich Ersatz-Mama. Was in meinem bisherigen Erfahrungsschatz dem Muttersein am nächsten kommt. Cerah hatte Bedenken, dass sie sich nie ganz wie Squishys Mama fühlen wird. Diese Bedenken habe ich nie mit ihr geteilt, denn ich wußte, dass sie sich ganz schnell und ganz selbstverständlich in diese Rolle fügen wird, spätestens wenn sie alleine mit ihm zuhause ist, während ich arbeiten gehe. Und damit hatte ich auch Recht. Das wichtigste ist aber: Squishy ist es egal, wer mit ihm schwanger war und wer nicht. Für ihn zählt nur, dass er von uns beiden geliebt und versorgt wird. Er weiß, wer seine Mamas sind, unabhängig von irgendwelchen biologischen Faktoren. Squishy mag zwar aussehen wie ich, aber ganz viel von seinem Verhalten hat er jetzt schon von Cerah. Er ist eine Mischung aus uns beiden.
Dann gibt es da noch den Rest der Familie und ich möchte gleich dazu sagen, dass ich eine Familie habe, die so ziemlich alles akzeptiert, was ich mache, so lange ich damit glücklich bin. Ich bin mir bewußt, dass es für sie manchmal etwas schwierig ist, Cerah und mich als gleichberechtigte Eltern zu sehen und so bald Squishy weint heißt es: Geh zur Mama und er wird an mich weitergereicht, egal ob ich gerade was anderes mache, weiter weg bin als Cerah oder sonst was. Das ist etwas, woran wir noch arbeiten müssen/werden und ich weiß, dass dieser Blog uns dabei hilft, denn meine Familie liest fleißig mit. Darin sehe ich allerdings kein wirkliches Problem, denn wir haben das Problempotenzial erkannt und so bald das geschieht, sind wir auf dem Weg zu einer Lösung bzw. ersticken das Problemchen im Keim. Es ist für uns beide allerdings wichtig, dass wir überall als gleichberechtigte Eltern auftreten und akzeptiert werden. Ich möchte nicht, dass Squishy später mal zu uns kommt und fragt, wieso Tante, Onkel usw. zu Mommy nur Cerah sagen. Er wird es vermutlich ab und zu schon schwer genug haben, weil er zwei Mamas hat, dann soll er wenigstens in der erweiterten Familie vollen Rückhalt haben. Vielleicht machen wir uns auch einfach zu viele Gedanken, aber wir sind nun mal für viele eine außergewöhnliche Familie und wollen unser Bestes tun, dass das weder für Squishy noch für uns zu einem negativen Thema wird, welches unser Leben dominiert.
Unser schlafendes Baby
Zum Stillkissen hat er ein sehr inniges Verhältnis und er schläft so viel besser seit dem es bei ihm im Bett liegt.