Besser als ihr Ruf

Letzte Woche habe ich eine E-Mail von einer ehemaligen Klassenkameradin bekommen.

“Liebe Belle,
ab und zu bin ich doch noch Besucherin auf eurer Seite.
Ich habe gerade den Kommentar von Erberhardt gelesen und irgendwie beschäftigt es mich schon, was da von einem wildfremden Menschen kommt.
Ich kann mir schon vorstellen, dass ihr euch im letzten Jahr einiges in der Art anhören musstet.
Eigentlich erschreckt es mich, wie sehr so viele Menschen in ihren eigenen Schranken gefangen sind, völlig unfähig die Perspektive zu wechseln.
Dass man dadurch mit Unverständnis reagiert ist die eine Sache, aber fies zu werden ist die andere.

Ich wollte nur kurz sagen, es sind nicht alle Menschen so. Ich weiß nicht, wie gut ihr damit umgehen könnt, aber bestimmt tuts manchmal weh, wenn jemand so über das eigene Leben urteilt.
Vielleicht erinnerst du dich an C., die hier mit mir das Studium angefangen hat, ich soll euch eigentlich schon lange von ihr grüßen, sie bewundert euren Mut und freut sich so für euch.
Und viele andere tuns auch!

Viele Grüße”

Ich habe mich sehr darüber gefreut mal wieder was von ihr zu hören. Früher haben wir gemeinsam immer viel philosphiert und uns “Rillen” im Hintern zugezogen, weil wir eine ganze Nacht lang auf der Lehne einer Bank gesessen haben. Als ich diese Mail gelesen habe, wurde mir erst mal klar, dass die Menschheit im Allgemeinen vielleicht doch besser ist als ihr Ruf. Wir haben bisher keinen einzigen blöden Kommentar zu hören bekommen. Niemand, der Cerah und/oder mich kennt bzw. während unserer Schwangerschaft oder danach kennengelernt hat, hat jemals irgendetwas negatives zu uns über unsere Beziehung oder die Art, wie wir zu Squishygekommen sind, gesagt. Den “Eberhardt” kann ich nicht ernst nehmen, denn wer sich hinter der Anonymität des Internets versteckt, den kann man einfach nicht für voll nehmen. Was die Leute hinter unserem Rücken sagen, wissen wir natürlich nicht. Allerdings kann ich nicht behaupten, dass es mich sonderlich interessieren würde. Ich bin mittlerweile erwachsen genug, mich nicht mehr darum zu scheren, was andere von mir denken. Lieber lebe ich ein Leben, was vielleicht nicht unbedingt der Norm entspricht, als dass ich ein Leben lang unglücklich bin und auf dem Totenbett denke, hätte ich doch nur…
Wir sind eine glückliche kleine Familie und das lassen wir uns von niemandem nehmen.

Meine erste Woche als arbeitender Teil der Bevölkerung ist nun also auch vorbei. Und gleich vom ersten Tag an hat es sich so angefühlt, als ob ich nie weg gewesen wäre. Mal abgesehen von den vielen neuen Gesichtern und ein paar alten, die mittlerweile nicht mehr da sind. Es war auch arbeitsmäßig recht entspannt, was ja für den Wiedereinstieg optimal ist. Das einzige, was mir wirklich tierisch auf den Geist gegangen ist, war die Frage, die wirklich von jedem kam: wo hast du denn dein Kind? Als ob man als Mutter nicht wieder arbeiten gehen könnte. Und die Frage kam wirklich von jedem. Ich bin wohl die erste und bisher einzige Sekretärin, die nach der Babypause wieder zurück gekommen ist. Und jetzt darf ich mich quasi rechtfertigen, was mir denn einfällt, mein 3 Monate altes Baby nicht selbst zuhause zu betreuen. Womit wieder bewiesen wäre, wie verstaubt die Ansichten zum Thema Kinderkriegen in Deutschland doch sind. In Kanada hätte man zu mir gesagt, was du bist so lange zuhause geblieben? Wieso denn das? Und hier ist man als arbeitende Mutter ein einmaliges Phänomen. Kein Wunder, dass niemand mehr Kinder haben will bevor er 40 ist. Denn hinterher gleich wieder arbeiten zu gehen, ist ja ein Ding der Unmöglichkeit. Dann fängt mit 40 quasi die Frührente an. Naja, ich mache ja gerne alles anders als alle um mich rum, warum also auch nicht das Kinderkriegenbzw. Kinderhaben?
Und da ich mich nach einer ganzen Arbeitswoche nun natürlich schon nicht mehr daran erinnern kann, wie Squishy aussieht, hier nun ein Bild zur Erinnerung: siehe Flickr!