3, 2, 1… fertig

Nur noch 3 Tage übrig bis zu meinen Mutterschutzferien. Und das schien doch immer so weit weg zu sein.

Meine Kollegin war heute ganz süß. Sie bringt schon die ganze Woche ständig Kuchen und Süßkram mit, mit dem sie mich dann durchfüttert. Heute meinte sie, sie mache das nicht, damit ich länger dableibe, denn sie weiß, dass das nicht geht, sondern damit ich mich immer daran erinnere wie schön es doch im Büro ist und dass ich dann gerne wiederkomme. Ist das nicht total lieb? Und am Mittwoch, meinem letzten Tag, wollen wir so richtig nett in der Mittagspause zum Italiener nebenan essen gehen. Zudem meinte sie, ich muss jeden Tag anrufen, damit sie sich mal so richtig auskotzen kann und die Einsamkeit überlebt.

Mittlerweile wurde auch die nächste Runde eingeläutet einen Ersatz für mich zu finden. Das ist bis jetzt immernoch nicht so richtig vielversprechend, aber immerhin passiert wieder was. Es ist wirklich unglaublich, dass es so schwierig ist, jemanden zu finden. Aber es bewirbt sich wohl kaum jemand und die die sich bewerben wollen entweder zu viel Geld oder können keinen korrekten englischen Satz zusammenbauen oder passen nicht rein etc. Naja, es können ja nicht alle so toll sein wie ich ;-)

Ich glaube, meine Kollegin ahnt auch, dass mit dem Baby mehr als nur eine Veränderung in meinem Leben passieren wird. Ich spiele mittlerweile mit dem Gedanken wieder in Richtung Freiburg zu ziehen. Gut finden würde ich das schon, vorallem weil in Kürze sowieso umziehen müssen. Unsere zwei Zimmer sind auf Dauer zu klein für uns 3 plus 2 Katzen. Und die Kiffer unter uns werden immer unerträglicher. Wir können keine Fenster aufmachen, wenn die unter uns ihre aufhaben, da es dann nach verrauchter Kneipe und Kifferabsteige riecht und der ganze Scheiß in unsere Nichtraucherwohnung zieht. Zudem bringen die sich zu sämtlichen Tages- und Nachtzeiten gegenseitig um, sperren ihren 3-jährigen Jungen entweder in seinem Zimmer ein, dmait er sie morgens bis um 10 Uhr schlafen lässt oder in den Hausflur aus. Und neulich meinte der Kiffermann, er müsse nachts um 3 die Wohnung demolieren, worauf sie nur voller Panik ständig seinen Namen geschrien hat und er mindestens ne halbe Stunde lang Möbel umgeworfen und sonstige Dinge durch die Gegend geworfen hat. Ganz toll und wir sind immer live dabei, weil man ja hier alles hört. Vorallem nachts, wenn es still ist. Ach ja, und heute fand er es ganz toll, eine Zigarettenkippe in unser Wohnzimmerfenster zu werfen. Er wollte damit wohl unsere Katzen abschmeißen. Ein ganz liebenswürdiger Zeitgenosse! Totalversager.

Auf jeden Fall spielen wir jetzt wieder mit dem Gedanken wieder in Richtung Heimat aufzubrechen. Ich bin allerdings sehr skeptisch, denn ich glaube nicht, dass es dort die Jobs gibt, die mir vorschweben und die auch genügend Geld einbringen, um davon leben zu können. Wir werden uns das mal anschauen und wenn es da halt nichts gibt, dann bleiben wir hier in Frankfurt.

Und von wegen alle zwei Wochen runterfahren, damit die Familie auch genug Ziggy zu sehen bekommt, wenn wir hierbleiben ist definitiv auch nicht. Das kostet uns jedes Mal mindestens um die 150 Euro und reisen mit Baby ist auch nicht wirklich stressfrei. Aber man kann ja Autobahnen in beide Richtungen benutzen, ebenso wie Züge, will damit sagen, dass man uns ja auch mal besuchen kommen kann. Naja, kucken wir mal, was die Zukunft so bringt. Vielleicht kommt ja alles ganz anders und wir beschließen spontan nach Kanada auszuwandern.

Noch 49 Tage!?!

49? Ähm, fehlt da nicht was vornedran? Oi oi oi, das ist ja unglaublich! Wo ist denn die ganze Zeit hingekommen? Sind wir vielleicht in ein schwarzes Loch gefallen, ohne was davon zu merken?

Cerah hat heute alle unser Babykleider gewaschen, damit auch alles sauber und bereit für den neuen Besitzer ist. Das ist doch relativ viel (außer langärmligen Oberteilen, da herrscht Mangel) und alles so süß und klein und knuddelig. Duzi duzi du! Ha, da kommen wohl doch die Hormone durch. Duzi duzi du! Ich kann es kaum erwarten, den kleinen Erdenbewohner in echt zu sehen und nicht nur auf Ultraschallbildern und durch die Bauchdecke hindurch zu fühlen. In plus/minus 49 Tagen ist es dann soweit. Yipieh!

Heute ist wieder Donnerstag, das heißt heute Abend gehen wir schwimmen. Es sei denn wir haben beide keine Lust oder fühlen uns kacke oder sonst was. Aber angeplant ist es auf jeden Fall und es tut meinem Rücken sooo gut.

Und ich musste einem meiner Jungs heute zur Abwechslung mal den Mittelfinger zeigen. Der war nämlich so fies und hat mich nachgemacht, wie ich den Gang entlang gehe (im Watschelgang) und hat sich das damit redlich verdient. Der ist sowieso immer so frech und hat das somit auch verdient!

Was diese Woche geschah

Am Montag hatte ich meine erste Stunde Schwangerschaftsgymnastik bei der FTG (Frankfurter Turn- und Sportgemeinschaft). Wir sind da zu zwölft, wenn ich mich nicht irre, alle zwischen der 22. und 34. Woche schwanger. Und das ist tatsächlich so richtig schweißtreibend und anstrengend! So richtig mit rumhüpfen und viel Bewegung und Dehnung und solchen Sachen. Wie immer bin ich eine der jüngsten da. Es ist noch eine andere da, die ist auch 26 und sonst sind alle so zwischen 32 und 38. Auf jeden Fall war es gut und ich bin froh, dass Cerah mich überzeugt hat, das zu machen. Meiner innerer Schweinehund ist bei sowas nämlich leider immer ziemlich groß und fett und unbeweglich. Ich vergesse immer wieder, wie gut mir das eigentlich tut, mich zu bewegen und wie gerne ich es eigentlich auch mache und… ich habe auch wesentlich bessere Laune! Meine Rücken- und Kopfschmerzen sind bisher auch nicht wiedergekommen. Okay die Rückenschmerzen ein minikleines Bißchen, aber nicht wirklich erwähnenswert. Und dann gehen wir ja immer donnerstags schwimmen und das steigert mein Wohlbefinden ebenfalls. Also irgendwie bin ich ja fast schon vorbildlich. Wer hätte das jemals gedacht? Ich mit Sicherheit nicht.

Was aber wieder ganz typisch war bei der Schwangerschaftsgymnastik ist folgendes: Wir saßen am Anfang alle zusammen im Kreis auf diesen tollen Bällen, die Hebamme hat ein bißchen erzählt, was sie so macht und das übliche Blablabla. Und dann: “So und jetzt findet ihr euch zu zweit zusammen und macht euch miteinander bekannt. Dann stellt ihr euch gegenseitig vor und ich möchte folgendes wissen: wie ihr heißt, das wievielte Kind es ist, in der wievielten Woche ihr seid, wo ihr entbinden möchtet und Besonderheiten des Kindes.” Ich hasse es! Ich hassen diesen bekackten Smalltalk und dieses völlig falsche Ich-interessiere-mich-ja-soooo-für-dich. Ich konnte das schon als Kind nicht ausstehen und das Alter macht es auch nicht besser. Okay, es fällt mir fiel einfacher. Als Sekretärin muss man small-talken können, um Zeit zu überbrücken wenn man einen Mandanten am Empfang abholt und ins Konferenzzimmer führt. Da lernt man das recht schnell. Aber das muss ich doch nicht noch in meiner Freizeit machen. Aber das ist so typisch Hebamme: Es ist gut für euch, wenn ihr euch austauschen könnt und euch verbunden fühlt blablabla. Naja, ich hoffe, wir lassen diese psychologisch wertvollen Dinge in Zukunft etwas bei Seite und hüpfen dafür lieber mehr rum. Ich bin vielleicht böse und gemein, aber die Schwangerschaft anderer interessiert mich nicht wirklich, es sei denn ich kenne die Leute. Aber eins auf Busenfreundinnen zu machen für die paarmal Schwangerschaftsgymnastik, das finde ich völlig übertrieben und unnötig. Ich fange ja schließlich auch nicht jedesmal an zu quieken und duzi duzi du zu sagen, wenn ich irgendwo ein Baby sehe, das ich weder kenne, noch mich in irgendeiner Art dafür interessiere. Da fehlen mir einfach ein paar Tussigene. Sorry liebe Welt!

Das war also Montag. Dienstag war ziemlich ereignislos und heute ist Mittwoch.

Heute hatten wir unseren regulären Vorsorgetermin beim Frauenarzt. Das CTG war diesmal erträglicher, auch wenn mir mein linkes Bein dabei eingeschalfen ist. Mich würde echt mal interessieren wer auf die schlaue Idee gekommen ist, das in Rückenlage zu machen. Wie immer war das CTG vorbildlich, sprich der Kleine ist in Ordnung und ich habe keinerlei Wehentätigkeiten. Den nächsten Termin haben wir in zwei Wochen, am 4. Oktober und da ich dann schon in Mutterschutz bin, darf auch hinterher wieder nach Hause gehen und muss nicht direkt zur Arbeit. Wie schön! Ach ja, mir wurde diesmal auch Blut abgenommen für den Hepatitis-Test. Die eine Arzthelferin war etwas von meinen Venen in der Ellenbogenbeuge abgeschreckt und hat die andere (Renate) zur Hilfe geholt, die wohl besser darin ist, Blut abzuzapfen. Ja, denkste. Die haut da die Nadel rein, es hat echt wehgetan und dann kam auch noch kein Blut. Ich dachte, ich krieg nen Schreikrampf, wenn die die Nadel nochmal irgendwo anders reinhauen (und es war reinhauen!) muss. Zum Glück fing dann endlich das Blut an zu fließen und ich war erlöst. Als sie dann die Nadel wieder rausgezogen hat, meinte ich nur: “Das wird blau.” Die Renate kuckt mich nur völlig verständnislos an. Ich sage: “Das wird ein blauer Fleck.” Sie kuckt mich immernoch verständnislos an, wird dann schnippisch und sagt: “Ja, aber davon sterben Sie nicht!” Ach was? Tue ich nicht? War mir auch klar, aber deswegen wird es trotzdem ein blauer Fleck und das darf sie auch ruhig wissen. Jetzt mag sie mich vermutlich nicht mehr leiden, weil ich so böse war und ihre Venenanstechungstechnik kritisiert habe. Wie kann ich es nur wagen! Böse, böse! Wie dem auch sei, sie wirds überleben. Wenn man von einem blauen Fleck nicht stirbt, dann erst recht nicht von so ein bißchen Kritik.

Hab ich übrigens erwähnt, wie die Schwangerschaftgymastik endete? Nee?
Wir standen im Kreis, mit beiden Händen auf dem Bauch, geschlossenen Augen und haben uns in unser Baby hineinversetzt. Haben gefühlt wie angenehm warm es im Fruchtwasser ist, wie die Plazenta uns mit allem versorgt, was lebenwichtig ist, ob die Bewegung und wach gemacht hat oder ob wir schlafen und dann durften wir unseren Bauch rubbeln (oder masturbieren, wie ich es gerne nenne). Unsensibel wie ich bin, habe ich natürlich zwischendurch die Augen aufgemacht und mir die anderen ein bißchen angekuckt. Ein Bild für Götter: zwölf bauchmasturbierende Frauen und nich mittendrin! Solche Dinge gehen mir echt völlig ab. Ich fühle mich auch mit meinem Baby verbunden, ohne dass ich mir vorstellen muss, ich schwimme im Fruchtwasser rum. Aber wie gesagt, ich bin ja eh nur völlig unsensibel und kaltherzig!