Heute hat endlich der seit Mitte Mai angekuendigte Umzug stattgefunden. Welch ein Chaos! Unsere Umzuege bei der Arbeit sind so ziemlich die unorganisiertesten, chaotischsten Tage, die man sich vorstellen kann. Das ist mein zweiter bisher. Der erste war nur von einem Ende des Flurs ans andere und diesmal ziehen wir sogar gleich in ein anderes Gebaeude. Wow! Aus diesem Grund war letzte Woche ziemlich stressig. Umzugspanik allerseits, Packfieber und was passiert eigentlich wann-Fragen. Ich bin fuer ein Team von 5 Personen zustaending, zwei haben alles selbst gemacht ohne jemals meine Hilfe zu benoetigen, einer kam gleich: Ich habe keine Zeit zu packen, aber du machst das nicht, besorg mir bitte einen Praktikanten. Fand ich sehr nett und ruecksichtsvoll. Das war M., der nen einjaehrigen Sohn hat und deshalb kapiert hat, dass man eine schwangere Sekretaerin nicht zum Kisten packen und schleppen abkommandieren kann. Okay, dann mein Liebling, den ich letzte Woche am liebsten auf den Mond geschossen haette. Er ist die totale Packratte und hat seit dem letzten Umzug vor etwas mehr als einem Jahr 6 unausgepackte Kisten bei sich rumstehen und ueberall nur Ordner. Seit ungefaehr 3 Wochen habe ich ihm schrittweise geholfen, seinen Scheiss zu archivieren und zu beschriften. Diese Woche ist er dann voellig in Panik verfallen, denn er war bis Mittwoch auf einem Kurs und kam erst Mittwoch Nachmittag wieder ins Buero.
Am Donnerstag Abend dann faellt ihm ein, um 5 natuerlich, eine halbe Stunde bevor ich gehe, dass er jetzt !!!!! dringend alles aufraeumen muss. Okay, ich war mal grosszuegig und bin bis um 6 geblieben. Laenger ist bei mir im Moment einfach nicht drin, das ist mir einfach zu anstrengend und tut weder mir noch dem Baby gut. Ich gehe also zu ihm ins Zimmer um Tschuess zu sagen und er kuckt mich an: Kannst du nicht noch laenger bleiben? Ich dachte, ich muss ihn toeten. Also sage ich: Nein, bei mir ist Ende Gelaende. Ich kann nicht mehr! Er kuckt mich an, kuckt meinen Bauch an, kuckt mich an, kuckt meinen Bauch an, setzt die Leidensmiene schlechthin auf: Okay, dann wohl eben erst morgen. Da konnte ich einfach nur sagen: Ja, morgen frueh bin ich ja wieder da, dann koennen wir das machen.
Frueher am gleichen Tag hat er sich noch was anderes tolles geleistet. Ihm fiel auf einmal auf, dass er viiiiiel zu beschaeftigt ist, seinen Schrank, von oben bis unten voll mit Aktenordnern, selbst auszuraeumen. Also bestellt er mich zu sich: Belle, kannst du mir morgen helfen meinen Schrank in Kisten zu packen? Ich war so fassungslos, ich hab ihn erst nur angeschaut. Klar, frag doch am besten die Belle, die ist ja auch erst im 8. Monat schwanger, ob sie dir deinen kompletten Schrank – sind ja nur 10 Kisten – mit kiloschwerern Aktenordnern ausraeumt. Ist der bescheuert? Vorallem weil “helfen” in diesem Fall bedeutet: Du raeumst aus, waehrend ich am Telefon haenge und seeeehr wichtige Dinge bespreche. Meine Antwort: Nein, das mache ich nicht. Ich kann dir gerne einen Praktikanten besorgen, wenn du Hilfe brauchst. Woraufhin er mich ankuckt wie ein Mondkalb. Der Witz daran ist, er hat selber zwei Kinder und sollte eigentlich wissen, dass ich mich nur mit Muehe selbst irgendwohin bewegen kann, geschweige denn, seinen Scheiss umzuraeumen.
Ich war so froh, als er dann endlich am Donnerstag Mittag zu nem Meeting musste und ich ihn erst am Montag wiedersehen muss. Der hat mich so dermassen genervt und meinen Stressfaktor enorm erhoeht. Naja, ich habe dann heute frueh den Typ vom Umzugsunternehmen bequatscht, das dieser daemliche Schrank immernoch nicht ausgeraeumt war. Eigentlich machen sie das nicht, aber auf ausdruecklichen Wunsch schon. Gott sei Dank. Ich habe mich uebrigens die letzten zwei Tage immer so angezogen, dass es ummoeglich zu uebersehen war, dass ich schwanger bin und keine Kisten bewegen, heben oder packen werde. Wenn die es anders nicht kapieren, dann muss man denen halt den Bauch quasi ins Gesicht strecken.
Gestern war zu allem Ueberfluss auch noch die Abschiedsfeier von zwei ganz lieben Kollegen, die uns verlassen und ihr Glueck woanders suchen. Wie immer hatten wir weder ein Geschenk noch eine Idee. Als dann irgendwann ne Idee (Buch ueber Whiskey, da der fuer den ich das Geschenk besorgen sollte ein grosser Whiskey-Fan ist) hochkam, war es Mittag und ich hatte keinen, den ich schicken konnte, um das zu besorgen. Ohne Auto dauert das zu lange. Also musste ich noch jemanden auftreiben, den ich ins Einkaufszentrum schicken konnte. Das hat dann jemand von unserer Poststelle gemacht. Muss er zwar nicht, war aber nett genug, es zu machen.
Okay, ja dann war Abschiedsfeier, die meisten sind hinterher noch in eine Bar saufen gegangen unter anderem auch mein fuenftes Teammitglied, mit dem ich mich bisher umzugstechnisch noch garnicht beschaefigt hatte. Also kam ich heute morgen auf die schlaue Idee, mal zu schauen, wie es denn bei ihm auf dem Schreibtisch und im Buero aussieht. Das war um 9:30, der Umzug sollte um 10:00 losgehen. Er hatte ueberhaupt nichts gepackt! Nichts, sogar sein Laptop stand noch auf dem Schreibtisch! Mich hat fast der Schlag getroffen. Der haette ja mal den Mund aufmachen koennen, sonst kommen sie ja auch immer gerannt, wenn sie den Hintern abgeputzt haben wollen. Ich habe ich recht erbost auf dem Handy angerufen, (er war noch ueberhaupt nicht im Buero gewesen) ob ihm denn bewusst sei, dass sein Zeug in 15 Minuten umgezogen sein soll und er nichts, aber wirklich garnichts gepackt hat. Sein Kommentar: “Mach ma locker Belle!” Aehm, was? Mach ma locker? Er sei bis in ner halben Stunde da, dann packt er fuer ne halbe Stunde und geht dann wieder. Ja klar, er hat ja die Ruhe weg. Damit war dann fuer mich aber klar, dass mir das dann auch egal sein kann. Er weiss ja alles besser! Von mir aus gerne! Er ist dann tatsaechlich auch aufgetaucht, hat nach Alkoholausduenstungen gestunken wie die Pest, hat ganz alleine (!!!!) seinen Kram gepackt und ist dann wieder verschwunden, natuerlich nicht ohne sich vorher noch ordnungsgemaess abgemeldet zu haben. (Das war der andere M., der mir schon das Sixt-Chaos beschert hatte.)
Ich schwoere, ich habe das groesste Chaoten-Team erwischt, was es da draussen in der freien Beraterwildbahn gibt. Manchmal frage ich mich, wie die Millionengeschaefte abwickeln koennen, obwohl sie eigentlich voellig lebensunfaehig sind.
Heute war dann der grosse Umzugstag, ich hatte alle schon vorsorglich aus dem Buero geschickt und bin selbst um 2 gegangen, da ohne Telefon und Computer nun mal garnichts laeuft. Ich bin ja mal gespannt, wie das Chaos naechste Woche in neuen Raeumlichkeiten weitergeht. Kann’s kaum erwarten! Im Laufe der Woche wird sich aber dann hoffentlich alles wieder normalisiert haben. Jetzt kommt erst mal das Wochenende ohne Kisten und Ordner und Chaos!
PS: Nicht ueber ae, ue und sowas wundern, unser Laptop verweigert mir gerade mal wieder die deutsche Tastatur.
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