Badewannengedanken

Wir waren letzte Woche mit Vanessa im Schwimmbad und ich kann definitiv verstehen, warum empfohlen wird, dass man als Schwangere schwimmen geht. Im Wasser selber merkt man den Unterschied nicht wirklich, aber so bald man aus dem Wasser rauskommt, fühlt es sich an, als ob man 20 Kilo auf einmal zugenommen hat und alles Blut in den kleinen Zeh sackt. Ich hätte nie gedacht, dass der Unterschied so groß sein kann, aber es ist wirklich enorm. Also habe ich beschlossen, von jetzt an öfter schwimmen zu gehen. Ich hoffe, ich halte mich daran. Allerdings habe ich keinen Umstandsbadeanzug. Ich habe mich zwar in meinen normalen Badeanzug gequetscht, allerdings ist das doch schon sehr eng und arg lange passe ich da auch nicht mehr rein; auf jeden Fall keine zweieinhalb Monate mehr…

Bevor Vanessa gekommen ist, haben wir zwei neue DVDs mit Vanessa-geigneten Filmen gekauft (Robots und Verliebt in eine Hexe). Beim Rumstöbern sind wir über eine 99 Cent DVD “Yoga für Schwangere” gestolpert. Die hatte sich zwischen “Babewatch” und so lieblichen Titeln wie “Boneeaters” und so Krampf versteckt. Aus Spaß an der Freude haben wir als die 99 Cent in die Yoga DVD investiert und ich muss sagen, dass hat sich echt gelohnt. Die Qualität sprich Schnitte und Bild und sowas sind zwar schlecht, was will man für 99 Cent auch erwarten, aber die Übungen selber habe mir sehr geholfen. Es sind nur Entspannungs- und Bewegungsübungen drauf, ca. eine halbe Stunde davon, aber die sind dazu gut die Balance, die durch den wachsenden Bauch verloren geht, wieder zu finden. Und es funktioniert wirklich. Als ich die Übungen zum ersten Mal gemacht habe (zu Vanessas großer Erheiterung), bin ich mir noch vorgekommen wie ein völlig unbeweglicher und tolpatischer Walfisch. Mittlerweile kann ich auch die Übung, bei der man auf einem Bein stehen muss, ohne Wackeln machen! Yipieh! Das war definitiv eine gute Investition von 99 Cent!

Ansonsten geht es mir immernoch beängstigend gut. Irgendwie hatte ich was ganz anderes erwartet. Okay, mir tut zwar öfters mal alles weh, sitzen ist unbequem, stehen sowieso und liegen auch nicht besser, aber im Großen und Ganzen kann ich mich eigentlich nicht beschweren. Ich denke, das sind halt die Kleinigkeiten, die man in Kauf nehmen muss. Das bißchen Schlaflosigkeit und Sodbrennen läßt sich auch noch verkraften. Ich bin wirklich froh, dass ich weder frühzeitige Wehen noch sonst irgendwelche Komplikationen habe. Daumendrücken, dass es auch so bleibt.

Worüber ich selbst auch ganz erstaunt war, war meine Ausdauer bei unseren Ausflügen mit Vanessa. Ich hatte ehrlich gesagt erwartet, dass ich nach spätestens einer Stunde rumlaufen völlig entkräftet zwei Stunden Pause brauche. Dem war aber garnicht so. Das einzige, was ich sehr Bauch-unfreundlich finde, sind unebene Treppenstufen. Aber zum Glück gibt es ja immer ein Geländer, an dem an sich nach oben ziehen kann. Der Palmengarten hatte ein paar davon. Nichts desto trotz fand ich den Ausflug in den Palmengarten am schönsten. Wir hatten gutes Wetter, Sonnenschein, nicht zu heiß und nicht zu kalt, und der Garten war einfach sehr schön angelegt und hatte viel zu bieten. Ich hatte mir wirklich nicht so viel davon erwartet.

Am meisten gefreut hat mich letzte Woche, dass Vanessa gegen Ende auch mal selbst die Initiative ergriffen hat. Sie hat zum Beispiel selbständig wieder angefangen, etwas zu basteln und sie war es, die vorgeschlagen hat, in den Zoo zu gehen. Das fand ich wirklich schön, denn schließlich soll sie auch Spaß haben und es ist so frustrierend und nervtötend, wenn nur kommt: Ich will heim und fernseh kucken, denn dazu braucht sie uns nun wirklich nicht. Den Fernseh haben wir nur abends angemacht und auch nur, um DVDs zu kucken und nicht irgendwelche Kinderserien, die sie eh schon alle 5 mal gesehen hat.

In so fern fan ich dieses Jahr auch für uns wesentlich entspannter als letztes Jahr, weil sie sich auch mal für 10 Minuten alleine beschäftigen konnte und nicht ständig nur animiert werden wollte.

Zeitweise bin ich mir allerdings vorgekommen wie ein wandelndes Lexikon. Ich wußte nicht, dass man so viel fragen kann. Wieso ist das Licht auf dieser Seite der Rolltreppe rot und auf der anderen grün? Was bedeutet eigentlich intellektuell? Und dann die ganzen Werbeplakate von Bild mit den ganzen berühmten Leuten. Wer ist Martin Luther King? Aber Galileo ist doch eine Fernsehshow und wer ist dann Galileo Galilei? Und so weiter und so fort. Am erstaunlichsten fand ich aber, dass wir eigentlich so gut wie immer eine Antwort hatten. Was mir dann den anerkennenden Kommentar einbracht: Gotti, du weißt aber viel. Lerne ich das auch alles noch?

Und worüber ich auch grinsen musste: Ich habe noch nie für eine Woche mit einer Schwangeren zusammen gelebt! Cerah fragte dann: Und wie wars? Vanessas antwort: Wie sonst auch! Oder der Sitz hier ist für die Schwangere! Ich habe mich fast totgelacht. Ist das nicht süß!

A propos süß. Ich wußte garnicht, was alles süß sein kann: Babykleider, alle möglichen Tiere (vorallem Hunde und Katzen und Fossas…) und was weiß ich noch. Und dann ist es ja nicht nur süß sondern gleich oooooohhhh, süüüüüüüüßßßßß!

Also alles in allem eine sehr positive Woche mit verschiedenen Pannen und kleinen Aufregern, aber nichts was nicht in den Griff zu bekommen gewesen wäre!


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