Auch ohne Pfingsten hatten wir ein langes Wochenende. Montag war bei uns Victoria Day, was die britische Königin war, die Kanada in die Unabhängigkeit entlassen hat. Grund genug ihr einen Feiertag zu widmen. Leider war das Wetter nicht ganz so fantastisch. Trotzdem war ich gestern morgen mit Rod Kanufahren. Dieses mal auf einem Fluss und nicht auf dem See. Schön war es trotzdem. Gekauft haben wir noch keines, aber wir sind dabei eines zu suchen, was wir dann bei uns aufnehmen können. Meine Chefin hat gemeint, sie hätte eines, was sie nicht mehr benutzt, weil sie auf Kajaks umgestiegen sind. Dumm nur, dass sie sehr beschäftigt ist und ich nicht weiß ob da tatsächlich was draus wird. Aber cool wäre das schon!
Ansonsten hat Cerah nach langen Wochen harter Arbeit endlich das Projekt Stockbett für Dude erfolgreich beendet. Das war eines der Dinge die wir ihm versprochen hatten, wenn wir im neuen Haus in Kanada sind. Da sind wir ja nun schon eine Weile und er hat nun endlich endlich sein grünes Hochbett bekommen und ist glücklich!
Bilder gibt es dazu auch, aber die muss ich erst noch hochladen und das geht auf dem Handy so schlecht…
Fortgeschrittene Kanadisierung
Erstaunlich wie schnell das geht. Bei uns vermutlich noch schneller als bei anderen, da wir auch in Deutschland schon halb kanadisch gelebt haben.
Woran ich die Kanadisierung merke:
- Wir fahren durchaus mal schnell zwei Stunden, um jemanden zu besuchen. Bleiben dann ein Stündchen oder zwei und fahren wieder zurück, ohne uns etwas dazu zu denken.
- Getränkehalter im Auto sind dazu da, um Getränke zu halten!
- Morgens zum Bus nehme ich meinen Thermosbecher mit Kaffee mit.
- In unserem Kühlschrank befindet sich immer Cola. In Dosen. Weil das einfach alles immer in Dosen verkauft wird. Ganz am Anfang habe ich mich sehr da dran gestört, mittlerweile habe ich hingenommen, dass das eben einfach so ist.
- Starbucks ist mein bester Freund!
- Ich sage und schreibe geschätze zwei Millionen Mal “sorry” am Tag. Höflichkeit gewinnt.
- Wir haben eine mehr als komplette Campingausrüstung, weil Campen hier quasi Nationalsportart ist.
- Ich weiß, was der Stanley Cup ist und wie die Ottawa Senators gespielt haben. Ist schließlich unsere Heimmannschaft. (Eishockey, für die das nicht wissen.)
Campen am See

Kanu am See
Ich war ja Mitte letzte Woche mit der Arbeit zum Teambuilding-Event in der kanadischen Wildnis. Natürlich am See. Nicht im Zelt aber in Hütten. Das Wetter war unheimlich klasse: 2 Tage strahlender Sonnenschein und 27 Grad! Und ich war zum allerersten Mal überhaupt Kanufahren. Ein Kollege hat sich meiner erbarmt und ist mit mir raus auf den See. Ich fand es sooooo toll, dass ich jetzt auch ein Kanu will. Zum Glück bekommt man hier ein gebrauchtes schon für relativ wenig Geld. Cerah wollte ja schon lange eines, ich habe mich etwas dagegen gesträubt, weil ich nicht so richtig was damit anfangen wußte, aber nach meinem ersten Ausflug kann ich das voll und ganz verstehen. Das war so idyllisch, ruhig und friedlich. Man kann den Schildkröten zuschauen, die sich am Ufer sonnen und auf dem Wasser zu sein ist einfach nur wunderbar. Was soll ich sagen? Ich bin entzückt. Das ist bisher definitiv das schönste an Kanada!
Ein paar mehr Bilder gibt es hier. Unter anderem auch mich im Kanu!
Im Schlafanzug zum Einkaufen
Heute früh in den Suchbegriffen gefunden “Kanadier im Schlafanzug zum Einkaufen”. Ich musste lachen, weil ich es erst neulich mit jemandem darüber eine Diskussion hatte. Die machen das nämlich tatsächlich, die Kanadier. Die gehen allen ernstens im Schlafanzug zu Starbucks den Frühstückskaffee holen oder in den Supermarkt zum Einkaufen. Meistens am Wochenende und da dann zu jeder Tageszeit. Natürlich machen das nicht alle, aber wenn man keine Lust hat, sich anzuziehen, dann lässt man das eben und geht so wie man ist.
Die Diskussion, die ich dazu hatte, ging etwa folgendermaßen:
Ich zu Miss G.s Patin: Und dann gibt es da noch die total unmöglichen Leute, die im Schlabberlook mit Schlafanzughosen zum Einkaufen gehen…
Sie (schaut etwas schuldbewußt): Ja, wie ich zum Beispiel. Das mache ich Sonntags auch ab und an mal, wenn ich eh den ganzen Tag im Schlafanzug rumgammle und dann noch schnell was besorgen muss.
Ich (völlig entsetzt): Im Ernst? Nee, also so angepasst bin ich dann doch noch nicht. Das geht gegen jegliche Prinzipien, die mir als Kind beigebracht wurden.
Bei uns galt nämlich immer die Regel, dass man sich vernünftig anzieht, wenn man das Haus verlässt und sich in der Öffentlichkeit blicken lässt. Nichts dreckiges und nichts mit Löchern. Es muss nichts tolles sein, aber Jogginghosen oder Schlafanzug geht gar nicht. Sowas machen nur Alkoholiker und Totalversager. Ich kam mir schon immer wie ein Rebell vor, wenn ich nachts im Schlafanzug mit dem Hund mal kurz nach draußen ging. Obwohl mich da niemand sah und es eigentlich auch keinen interessierte. Aber hier ist das alles ein bisschen anders.
Nun gut, wenn ich dann also anfange, im Schlafanzug einkaufen zu gehen, dann weiß ich, dass ich völlig zum Kanadier mutiert bin. Aber so richtig vorstellen kann ich mir das - zum jetzigen Zeitpunkt auf jeden Fall - nicht. Wobei, möglich ist alles und der schöne Spruch ‘Never say never’ erweist sich immer wieder als wahr.
Blöder Busfahrer – Canadian Style
Dieses Mal eine Beobachtung zur kanadischen Mentalität am Beispiel einer verpassten Bushaltestelle.
Im Bus auf dem Heimweg. Ein Herr an der hinteren Bustüre möchte gerne an der nächsten Haltestelle aussteigen und drückt den Knopf. Das Haltezeichen leuchtet auf. Alles ist gut. Nur dass die Busfahrerin an der nächsten Haltestelle nicht anhält, sondern ohne das Tempo zu verringern einfach daran vorbeifährt. Der Herr, der eigentlich hätte aussteigen wollen, ruft nach vorne, sie solle doch anhalten und ihn rauslassen. Aus Gründen, die sich mir bis heute nicht erschlossen haben, ignoriert die Busfahrerin das jedoch. Der Herr ist zwischenzeitlich doch recht aufgebracht und kämpft sich den Weg durch die Fahrgäste nach vorne zur Fahrerin. In kanadischen Bussen hängt übrigens kein „Während der Fahrt bitte nicht mit dem Fahrer sprechen“ Schild und die Busfahrer halten immer gerne mal ein Schwätzchen mit den Fahrgästen. Als der Herr es endlich nach vorne geschafft hat, spricht er die Busfahrerin an – ich war zu weit weg, um verstehen zu können, was gesagt wurde – sie schaut etwas schuldbewußt, man redet ein bisschen, lacht und an der nächsten Haltestelle steigt der Herr völlig gelassen aus und man reißt zum Abschied noch ein Witzchen, was beide wieder zum Lachen bringt.
So läuft das hier. Kein Gegrummel, kein Gekeife, kein Geschrei. Man entschuldigt sich, ist ein bisschen nett und alles ist gut.
Kann sich jemand vorstellen, dass das in einem deutschen Bus ebenfalls so abläuft? Nein? Ich mir auch nicht.
Draußen – Teil 8
Wow, was für ein Unterschied doch ein Monat machen kann!Wir sind vom Winter übergangslos in den Sommer gerutscht. Temperaturen im Moment: tagsüber 27 Grad und strahlender Sonnenschein, nachts um die 11 Grad. Es war schon die ganze letzte Woche so und nächste Woche soll genauso weitergehen! Yeah! So macht mir die Sache Spaß.
